Die berühmten Literaten rund um die Stelzhamer Stube

Sylvester Wagner, Franz Stelzhamer, Johannes Freumbichler (Großvater von Thomas Bernhard) und Carl Zuckmayer lebten einst in Henndorf am Wallersee. Die Schriftsteller schätzten und liebten die Umgebung rund um den Wallersee. In ihren Werken setzten sie sich intensiv mit dem Ort und seinen Bewohnern auseinander. Viele Bücher und Gedichte entstanden in dieser Zeit und spiegeln Land und Leute von damals wider. In der Zwischenkriegszeit erwarb sich Henndorf den Ruf eines kreativen Zentrums der deutschsprachigen Literatur, bedeutend war dabei der „Henndorfer Kreis“ um Carl Zuckmayer.

Franz Stelzhamer (1802 – 1874) geboren in Großpiesenham Oberösterreich

„D `Innviertler Nachtigall“ – er wurde als „Wanderer“ zwischen Oberösterreich, Salzburg und Bayern bezeichnet und ist der bedeutendste Vertreter der oberösterreichischen Mundartdichtung. Er schrieb in der einfachen, jedoch ausdruckreichen Sprache des Volkes. In seinen Erzählungen, seinen hochdeutschen Gedichten und seinen epischen Werken, wie „D `Ahnl und Königin Not“ verarbeitet er künstlerisch die eigenen Notjahre. Er verbrachte die letzten Jahre seines Lebens in Henndorf. Sein letztes Gedicht “ Übern Anger bin ih ganga“ verfasste er zwei Monate vor seinem Tod und widmete es seiner in Henndorf gebliebenen Frau.

Denkmäler: Imposanter Grabstein am Friedhof von Henndorf; 1907 enthüllte man eine Marmorgedenktafel am Wohn- und Sterbehaus Stelzhamers in Henndorf in der Franz Stelzhamer Straße 6; 1974, anläßlich der Wiederkehr des hundertjährigen Todestages, stiftete das Land Oberösterreich ein Stelzhamer-Denkmal, den sogenannten „Henndorfer Kirschbaum“ , das den Inhalt des Gedichts „Der blüahade Kerschbam“ vermitteln soll. Die schönste Ehrung ließ ihm jedoch der oberösterreichische Landtag zuteil werden, der 1952 sein Gedicht „s `Hoamatgsang“ zur Landeshymne erklärte.

Sylvester Wagner (1807-1865) geboren in Henndorf am Wallersee

Den Aufzeichnungen seiner Biographen vertrauend dürfte sich der spätere Mundartdichter, der der Sohn eines Zimmermanns war, bereits früh zu einer eigenwilligen und originellen Persönlichkeit entwickelt haben.

Nach Abschluss seiner Schulzeit in Henndorf, er zählte zu den Begabtesten, besuchte er gemeinsam mit Georg  Abdon Pichler (Verfasser des Buchs „Salzburgs Landesgeschichte“) das Gymnasium in Salzburg.
Um wahrscheinlich dem Wunsch seiner Mutter zu entsprechen, studierte er danach Theologie im Priesterhaus. Dieses Studium gab er jedoch nach einem Jahr wieder auf und wanderte, mit nur geringen Geldmitteln ausgestattet, nach Wien.

Dort begann er sich für Medizin zu interessieren, war jedoch auf die materielle und finanzielle Hilfe von Freunden und auf das Erteilen von Privatstunden angewiesen, um ein nur karges Leben führen zu können.
Sein dichterisches Talent nützend, verfasste er sogar bisweilen Liebesbriefe für Köchinnen, wozu ihn die ständige Geldmisere zwang.

Dennoch dürfte der junge Henndorfer sich in Wien halbwegs wohlgefühlt haben, wie dies eine Stelle bei Adalbert Stifter in dessen Skizze  „Wien und die Wiener“  vermuten lässt.
Dort hatte er auch die Chance , die oberösterreichischen Mundartdichter Franz Stelzhamer, der sein enger Freund werden sollte, und Karl Adam Kaltenbrunner kennenzulernen. Sie ebneten ihm den Weg in den Dichterkreis, der sich um Adalbert Stifter gesammelt hatte.

Obwohl er das Studium der Medizin zeitweise sehr ernst nahm – angeblich soll er bereits einen vielbeschäftigten Wiener Arzt in dessen Praxis vertreten haben – , suchte er gemeinsam mit seinem Freund Stelzhamer die Wahrheit im Wein.
Und es geht die Sage, dass die zwei lustigen, durstigen Poetenseelen Wagners Rigorosengeld nicht einmal,sondern mehreremale zusammen  „verputzt“ haben.
Aus dieser Zeit könnte auch das damals in Zecherkreisen bekannte  „Schnadahüpfl“  stammen, ein Vierzeiler, der Schlagfertigkeit , Geist und Humor offenbart:
A frischö Maß Bier
Mit an Foam, an weißen,
Und heunt geh’n i nöt hoam,
Bis s‘  mö außöschmeißen.

Da sich Sylvester Wagner keine   „Schrankbam für d‘ Gedanka “  verordnen ließ, vernachlässigte er jedoch allmählich sein Medizinstudium und widmete sich nunmehr den Fragen der Astronomie. Es soll ihm auch gelungen sein eine Aushilfsstelle auf der K.K. Sternwarte bekommen zu haben.
Ebenso verfasster er Kalendarien für Kalenderverleger und veröffentlichte eine Beschreibung für Wien als Wegweiser für Fremde.

Daneben war er schriftstellerisch äußerst produktiv, er war Mitarbeiter bei Wiener und österreichischen Zeitungen. 1845 erschien im Oberösterreichischen Jahrbuch für Literatur und Landeskunde  „Der Hahnpfalz“ , eine Dorfgeschichte die in der Gegend des Untersberges spielte. 1847 veröffentlichte Wagner zum erstenmal seine  „Salzburga Bauern-Gsanga“.

Eine von ihm formulierte „Salzburga Weis“ :
A ehrlögs Geblüet
Und an aufrichtögs G’müeth
Und a Herzal a treu’s: Das is d‘ Salzburga Weis!
A hoamtückösch G’müeth
Und a zaunmatt’s Geblüeth
Und a grundfalschö Röd
Kennan d‘ Salzburga nöt.

Eines seiner schönsten und zugleich bekanntesten Lieder aus dem Jahr 1855 : Keine Schwalbe bringt
Dir zurück, wonach Du weinst,
Doch die Schwalbe singt
Im Dorf wie einst.

Sylvester Wagner starb am 10. Oktober 1865 in Henndorf. „Der Mundartdichter Sylvester Wagner – verkannt und vergessen“, nachzulesen in der Henndorfer Chronik.

Heute erinnert in Henndorf an diesen  Literaten ein nach dem Dichter benannter Weg, eine Gedenktafel an der Kirchenmauer sowie der Sylvester Wagner – Gedenkbrunnen vor seinem ehemaligen Wohnhaus ( heute Schützengasse 3 ).
Dieses Gebäude hat heute drei Besitzer. Der vordere Teil wurde 1970 von Josef Eder, dem Hausmeister von Carl Zuckmayer, der Prangerschützengesellschaft Henndorf vererbt. Bei einem geführten Literaturspaziergang kann das Schützenhaus auch von innen besichtigt werden.

Johannes Freumbichler (1881 – 1949) geboren in Henndorf am Wallersee

Er wuchs in Henndorf auf und setzte mit seinem Roman „Philomena Ellenhub“ dem Volk und der Landschaft seiner Heimat ein wunderbares Denkmal. Die mundartliche Gedichtsammlung „Rosmarin und Nelken“ wurde erst nach seinem Tod veröffentlicht und war seiner in Henndorf lebenden Gattin gewidmet. Den größten Bekanntheitsgrad erreichte jedoch das Gedicht „A Salzburger bin i“. Johannes Freumbichler lebte in Seekirchen, kurz vor dem Ortseingang, in einem ärmlichen, im Winter nur mit einem kleinen Holzofen zu heizendem Häuschen.

Dort krabbelte damals ein kleiner Knabe, sein Enkel, herum. Er hieß Thomas Bernhard (1931 – 1989), der eine der markantesten Gestalten der neueren Literatur wurde. Während Johannes Freumbichler nicht zu den bekanntesten Schriftstellern gezählt werden konnte und gegenwärtig erst wieder entdeckt werden muss, etablierte sich sein Enkel Thomas Bernhard – gewissermaßen stellvertretend für den geliebten Großvater – als erfolgreicher Literat internationalen Rangs, dessen Werke man in 18 verschiedene Sprachen übersetzte.
Einen beachtlichen Erfolg erzielte Thomas Bernhard mit seinem 1963 erschienenen Roman „Frost“. Es folgten unzählige weitere Buchveröffentlichungen, die ihm unter anderem den Österreichischen Staatspreis, den Georg-Büchner-Preis und den Grillparzer-Preis einbrachten.

Carl Zuckmayer (1896 – 1977) geboren in Nackenheim am Rhein

„Wo ist man daheim? Wo man geboren wurde oder wo man zu sterben wünscht? Damals glaubte ich es zu wissen – glaubte mit einer Stecknadel auf dem Globus den winzigen Punkt geographisch bestimmen zu können, der mir selbstgeschaffene , selbsterwählte Heimat war und wo ich mein irdisches Dasein auszuleben hoffte:
es war der Ort Henndorf bei Salzburg.“


Kein anderer Schriftsteller – mit Ausnahme seiner Gattin, Alice Herdan-Zuckmayer – setzte sich in seinen Werken so häufig und intensiv mit dem Ort und seinen Bewohnern auseinander.

  • 1926 Kauf der „Wiesmühl“ in Henndorf
  • 1933 Übersiedlung nach Henndorf, das bis 1938 Exil für die Familie ist, Aufnahme von geflüchteten Freunden – Höhepunkt des „Wiesmühlkreises“
  • 1936 Publikationsverbot von Zuckmayer-Werken in Deutschland
  • 1937 Zuckmayer stellt den Antrag auf Verleihung der österreichischen Staatsbürgerschaft, der „Anschluß“ verhindert die Naturalisation
  • 1938 Emigration aus Wien nach Zürich, Ausbürgerung, Beschlagnahme und Verfall des Besitzes in Henndorf und Wien
  • 1939 Auswanderung in die USA, Arbeit zunächst als Hollywood Autor
  • 1945 Erzählung „Der Seelenbräu“, US-Staatsbürger
  • 1947 Kurzer Aufenthalt in Henndorf, es entstehen die in Salzburg gedrehten Filme „Nach dem Sturm“ (1947) und der „Seelenbräu“ (1948)
  • 1948 Rückstellung der „Wiesmühl“ an Zuckmayer
  • 1950 Verkauf der Wiesmühle
  • 1952 Goethe Preis: „Engele von Löwen“
  • 1958 Zuckmayer legt die amerikanische Staatsbürgerschaft zurück und erhält die österreichische Staatsbürgerschaft. Läßt sich in Saas-Fee (Schweiz) nieder
  • 1960 Verleihung des Großen Österreichischen Staatspreises für Literatur
  • 1966 Autobiographie „Als wärs ein Stück von mir“
  • 1968 Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst
  • 1970 Offizieller Empfang in Henndorf mit Verleihung des Ehrenringes der Gemeinde Henndorf, Benennung eines Weges nach Carl Zuckmayer. Ansprache zur Eröffnung der 50. Salzburger Festspiele
  • 1972 „Henndorfer Pastorale“ über den Besuch in Henndorf
  • 1974 Erster Salzburger Literaturpreis des Kulturfonds der Stadt Salzburg
  • 1975 Ehrenring der Stadt Salzburg
  • 1977 Tod Carl Zuckmayers am 18. Jänner im Spital von Visp (Schweiz). Eine Abordnung der Henndorfer Prangerschützen nimmt, mit der von Zuckmayer 1932 gestifteten Fahne, an der Beisetzung teil.

Einige Werke: Der fröhliche Weinberg. Schinderhannes, Der blaue Engel, Der Hauptmann von Köpenick, Der Seelenbräu, Nach dem Sturm, Des Teufels General, Als wärs ein Stück von mir, Ein Sommer in Österreich, Henndorfer Pastorale